…das ist das Beste, was es gibt auf der Welt!

Sicher haben Sie beim Lesen dieser Zeilen das Lied in der Fassung der Comedian Harmonists sofort im Ohr. Sie besingen wahre Freundschaft als das höchste Gut auf Erden, wichtiger als Liebesbeziehungen sogar: „Liebe vergeht, Liebe verweht, Freundschaft alleine besteht!“. Und tatsächlich haben viele von uns Freundinnen und Freunde, die sie seit der frühen Kindheit begleiten, teils bis ins hohe Alter. Unsere sozialen Beziehungen – seien es Partnerschaften, Freundschaften, Familienbeziehungen oder die Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen – erfüllen für uns Menschen wichtige Funktionen. Sie stillen unser Bedürfnis nach Nähe, Zugehörigkeit und Wertschätzung. Aber auch nützliche Informationen und Unterstützung bei kleineren und größeren Problemen erhalten wir über unser soziales Netzwerk.

Freundschaften werden für Ältere wichtiger

Das Ausmaß und die Art und Weise, wie Ältere in Deutschland in soziale Beziehungen eingebunden sind, hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Fragt man Menschen in der zweiten Lebenshälfte danach, wie viele Personen es gibt, die ihnen wichtig sind und mit denen sie regelmäßig Kontakt haben, dann sind das aktuell im Durchschnitt ungefähr fünf (Böger, Huxhold & Wolff, 2017). Knapp 20 Jahre zuvor war es durchschnittlich noch eine Person weniger. Insgesamt sind die sozialen Netzwerke Älterer also größer geworden. Und immer häufiger sind in diesen sozialen Netzwerken – neben Partnerin bzw. Partner und Kindern als den meistgenannten Beziehungen – auch Freundschaften vertreten. Etwa 46 Prozent der Älteren hatten vor 20 Jahren mindestens eine befreundete Person im engen Netzwerk, aktuell sind es schon deutlich mehr als die Hälfte (ca. 56 %; ibid.).

Freundschaften = Wahlverwandtschaften?

Gleichzeitig verändern sich auch die familiären und partnerschaftlichen Lebenssituationen: Immer mehr Menschen zu Beginn der zweiten Lebenshälfte sind partner- oder kinderlos. Diejenigen, die Kinder haben, unterhalten zu diesen zwar in der Regel emotional sehr enge und kontaktintensive Beziehungen, aber die Wohnentfernungen zwischen den Generationen werden größer (Mahne & Huxhold, 2017). Das erschwert vor die allem gegenseitige Unterstützung im Alltag. Es stellt sich also die Frage, wie ein soziales Eingebundensein beim Älterwerden auch für den wachsenden Bevölkerungsteil derjenigen ohne Partnerschaft oder Kinder (in der Nähe) gut gelingen kann. Die beschriebenen und andere Forschungsergebnisse legen nahe, dass Freundschaften tatsächlich bestimmte Funktionen übernehmen und kompensieren können. In der Forschung wird daher auch gerne von „Wahlverwandtschaften“ gesprochen – einer selbstgewählten Familie aus nicht verwandten Personen.

Rat, Trost, Freizeitgestaltung

Wie sieht es aus mit der Gestaltung dieser Freundschaften? Vielleicht kennen Sie das aus der eigenen Erfahrung: Mit einem offenen Ohr bei Kummer oder einem guten Tipp bei einer wichtigen Entscheidung kann die beste Freundin oder der beste Freund oftmals besonders gut helfen. Und tatsächlich haben heute etwa 39 Prozent der 40- bis 85-Jährigen Freundinnen und Freunde, die sie um Rat fragen können. Und ungefähr 36 Prozent haben befreundete Personen, die ihnen bei Bedarf Trost spenden können (Böger, Huxhold & Wolff, 2017). Vor knapp 20 Jahren waren das noch deutlich weniger – nur knapp ein Viertel (24 bzw. 23 Prozent). Auch die Freizeit wird immer häufiger gemeinsam mit Freundinnen und Freunden gestaltet: Gut 60 Prozent nennen Aktivitäten im Freundeskreis (1996 waren es noch knapp 51%; ibid.). Dieses veränderte Freizeitverhalten betrifft vor allem Menschen im Alter von 66 bis 71 Jahren – also diejenigen, die relativ frisch im Ruhestand sind.

Die Forschung zum Ruhestandsübergang zeigt, dass es besonders denjenigen gut gelingt, in diese neue Lebensphase zu starten, die gute soziale Beziehungen haben. Also pflegen Sie Ihre Freundschaften! Sogar einen Internationalen Tag der Freundschaft gibt es – er wird heute, am 30. Juli begangen. Vielleicht ein guter Anlass, den einen oder anderen lieben Menschen wieder einmal zu kontaktieren, denn: „Ein Freund bleibt immer dir Freund. Und wenn auch die ganze, die schlechte, die wacklige, die alberne Welt vor den Augen zusammenfällt“!

Quellen:

Böger, A., Huxhold, O., Wollf, J. (2017): Wahlverwandtschaften: Sind Freundschaften für die soziale Integration wichtiger geworden?
Mahne, K. & Huxhold, O. (2017): Nähe auf Distanz: Bleiben die Beziehungen zwischen älteren Eltern und ihren erwachsenen Kindern trotz wachsender Wohnentfernungen gut?
Beide Texte aus: Mahne, K., Wolff, J., Simonson, J., Tesch-Römer, C. (Hrsg.)(2017): Altern im Wandel. Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS), Wiesbaden: Springer

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