Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Blog widmet sich von Oktober bis Ende des Jahres dem Thema „Gut vorbereitet in den Ruhestand“. Anhand von sechs aufeinander aufbauenden Teilen bietet er Ihnen die Möglichkeit, sich aktiv mit verschiedenen Aspekten des Übergangs auseinanderzusetzen. Alle 14 Tage erscheint ein neuer Artikel mit jeweils einer kleinen Übung. Natürlich können Sie diese Übungen auch mitmachen, wenn Sie bereits im Ruhestand sind. Ich freue mich sehr über Ihr Feedback zur Blogserie und den Übungen – schreiben Sie mir gerne eine Mail.

Hier im ersten Teil geht es um Ihre Biografie. Viel Spaß!

Teil 1 der Blogserie „Gut vorbereitet in den Ruhestand“

Wenn der Ruhestand näher rückt, wird Ihnen wahrscheinlich immer mehr bewusst, dass hier bald etwas Wichtiges zu Ende geht. Über viele Jahre hinweg hat die Arbeit Ihren Alltag bestimmt, den Tag strukturiert, für Sinn und sicher auch Stress gesorgt – und nicht zuletzt haben Sie vielleicht ein paar Freundschaften im Kolleg*innenkreis geschlossen. Gleichzeitig sind Sie vermutlich mit Gedanken an die Zukunft befasst. Wie wird es sein nach dem Tag X, reicht das Geld, was wäre eine sinnvolle Beschäftigung und: wie fühlt sich das an, das Älterwerden?

Zu Beginn des sogenannten „dritten Lebensalters“ – ab etwa 65 Jahren – fangen viele Menschen an, über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Neulich habe ich auf einer Veranstaltung eine Kollegin aus der Wissenschaft getroffen. Eine hochangesehene und sehr engagierte Ökonomin, mit dem Ruhestand in greifbarer Nähe. Sie sagte zu mir: „Katharina, bevor ich irgendwas mache im Ruhestand, muss ich erstmal zu mir kommen. Vor lauter Arbeit weiß ich schon gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin!“ Da hat sie etwas sehr Wichtiges angesprochen: Der Übergang in die Zeit nach dem Beruf bietet Ihnen eine gute Gelegenheit, einmal inne zu halten und eine kleine Bilanz zu ziehen: Wo in meinem Leben stehe ich gerade? Was sind meine Lebensthemen und Lebensregeln?

Bevor Sie Zukunftspläne schmieden und sich Ziele für den Ruhestand setzen (mehr dazu dann in Teil 2), ist es sinnvoll, wenn Sie sich zunächst einmal mit Ihrer bisherigen Biografie beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit kann dazu beitragen, sich sicherer zu fühlen und das Selbstvertrauen neu zu beleben. Wenn Sie die letzten Berufsjahre erreichen, dann haben Sie schließlich nicht nur jede Menge fachliche Expertise erlangt, sondern Sie haben mit Sicherheit auch einige Umbrüche und Krisen in Ihrem Leben erfolgreich bewältigt. Diese wertvolle Lebenserfahrung werden Sie in den sechs Teilen meiner Blogserie „Gut vorbereitet in den Ruhestand“ immer wieder nutzen.

Ich stelle Ihnen gleich ein paar Fragen, die Sie — quasi als kleiner Einstieg — dabei unterstützen können, sich diesen Themen zu nähern. Sie führen ein kleines biografisches Interview mit sich selbst. Nehmen Sie sich für diese Fragen etwa 30 Minuten Zeit, in denen Sie ungestört sind. Beantworten Sie diese Fragen nicht einfach zwischen anderen wichtigen Dingen, die Sie so zu erledigen haben – geben Sie ihnen Raum, nachzuwirken. Vielleicht verabreden sich dafür auch mit einer Freundin oder einem Freund in einer ähnlichen Lebenssituation. Vorab noch ein hilfreicher Hinweis — zwei Aspekte sind bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie besonders wichtig:

Versöhnung: Wir alle kennen Gedanken wie „Ach hätte ich doch!“ oder „Wie konnte ich nur?“ Wenn Sie nun also anfangen, Ihr bisheriges Leben Revue passieren zu lassen, dann seien Sie wohlwollend zu sich selbst. Machen Sie sich bewusst, dass Sie in Ihrem Leben die Dinge so geregelt haben, wie es für Sie zum jeweiligen Zeitpunkt richtig und sinnvoll war. Versöhnen Sie sich mit Entscheidungen, die Sie im Nachhinein vielleicht bereuen.

Freude: Wahrscheinlich fällt es Ihnen spontan ziemlich leicht, von Dingen zu erzählen, über die Sie sich in der letzten Woche geärgert haben. Viel zu selten richten wir unseren Fokus darauf, was schön war oder gut gelaufen ist. Versuchen Sie, beim Nachsinnen über Ihr Leben die freudvollen Erfahrungen ins Zentrum zu stellen. Vielleicht können Sie sogar einem Schicksalsschlag oder einem Scheitern etwas Positives abgewinnen.

So, nun aber los. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, schalten Sie das Handy aus und schnappen Sie sich Papier und Stift. Viel Spaß!

Übung: Ein kleines biografisches Interview mit mir selbst

Was hat mir als Kind besonders großen Spaß gemacht? Was davon möchte ich wieder öfter tun?
Welche Aufgabe habe ich in den letzten Jahren souverän gemeistert? Was habe ich dabei Neues über mich erfahren?
Bis wohin kann ich mir meine Zukunft vorstellen? Was bleibt noch verschwommen?

Wie ging es Ihnen mit diesen Fragen? Ist es Ihnen leicht gefallen, sie zu beantworten – oder eher schwer? Die Auseinandersetzung mit Ihrer Biografie bereitet Sie prima auf die weiteren Teile Blogserie vor. Für Viele ist es eine Herausforderung, sich zu überlegen, wie und womit sie Ihre Zeit im Ruhestand verbringen wollen. Im nächsten Blog geht es genau darum. Sie lernen ein paar Tipps und Tricks, wie Sie sich Ziele setzen und Sie motiviert bei der Sache bleiben können.

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