Vor hundert Jahren wurden Frauen und Männer beim Wahlrecht gleichgestellt. Dieses Jubiläum wird derzeit vielerorts angesichts des Frauentages am 8. März gefeiert. Geschlechterunterschiede und -ungleichheiten sind aber weiterhin in vielen Bereichen präsent – auch in späteren Lebensphasen. Vom sogenannten Gender Pay Gap, also der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, haben Sie sicher schon gehört. Sie beschreibt den Abstand in den Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen.

Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt ist noch eine große Baustelle

Der Gender Pay Gap liegt derzeit bei etwa 21 Prozent, das heißt: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Wie kommt es zu dieser Lücke? Eine Erklärung: In Deutschland ist der Arbeitsmarkt stark nach den Geschlechtern aufgeteilt. Das bedeutet, dass Frauen und Männer stark unterschiedliche Berufe wählen. Berufe, die als typisch männlich gelten, werden im Vergleich zu typisch weiblichen Berufen als höherwertiger, komplexer, voraussetzungsvoller, etc. angesehen. Diese systematische Wertung – und Abwertung als weiblich geltender Tätigkeiten – schlägt sich dann in den Löhnen nieder.

Dazu kommt: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, sie haben weniger kontinuierliche Erwerbsbiographien und sie arbeiten seltener in Führungspositionen. Alles Faktoren, die in die Bezahlung hineinspielen. Berücksichtigt man all diese Dinge – bezieht sie also in die Gleichung für die Berechnung der Lücke ein – dann wird die Lohnlücke zwar deutlich kleiner. Es bleibt aber immer noch ein sogenannter ‚bereinigter‘ Gender Pay Gap von 6 Prozent übrig. Der ist dann nicht mehr durch das unterschiedliche Verhalten von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu erklären.

Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley spricht in ihrer Pressemitteilung zum Frauentag 2018 dementsprechend verschiedene Aufgaben und Maßnahmen auf dem Weg zu einer Gleichstellung in punkto Entlohnung an. Was sie dabei unerwähnt lässt: Die Folgen der unterschiedlichen Einkommen für spätere Lebensphasen.

Ökonomische Ungleichheit im Alter: Gender Pension Gap liegt bei 53 Prozent

Über den gesamten Lebenslauf hinweg verdienen Männer durchschnittlich stets mehr als Frauen und zahlen entsprechend mehr in die Rentenversicherung ein. Das wirkt sich auf die finanzielle Situation im Alter drastisch aus. Schaut man sich die Höhe der Rentenzahlungen an, dann liegt der Gender Pension Gap bei stattlichen 53 Prozent. Kein Wunder also, dass sich Formulierungen etabliert haben wie ‚Altersarmut ist weiblich‘. Die Erwerbsbeteiligung von Menschen in der zweiten Hälfte hat in den letzten Jahrzehnten zwar zugenommen – und bei den Frauen war der Anstieg besonders deutlich. Ein kleiner Schritt, der die eben beschriebenen Gender Gaps verringern kann.

Vereinbarkeit ist auch in der zweiten Lebenshälfte ein Thema – vor allem für Frauen

Aber auch der Anteil von Menschen, die andere im Alltag unterstützen, nimmt zu. Vor allem ab Mitte 50 übernehmen viele hier Verantwortung – Frauen häufiger als Männer. Zusammen mit der gestiegenen Erwerbsbeteiligung bedeutet das: Doppelbelastung vor allem für die Frauen. Nicht nur wenn die Kinder klein sind, sondern auch wenn die Eltern sehr alt werden, ist die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Sorgearbeit also ein vor allem weibliches Thema.

Auch zu Hause in der Partnerschaft sind es meistens die Frauen, die den Einkauf erledigen, Essen kochen oder die Wohnung putzen. Schon seit vielen Jahren ist in etwa 60 Prozent der Paarhaushalte überwiegend die Frau für die Hausarbeit zuständig. Selbst bei Paaren, in denen die Frau Vollzeit arbeitet, ist das in etwa der Hälfte der Fälle so. Noch viel zu tun also – für die Politik und für uns alle im Privaten!

Zum Weiterlesen:

Gender Pay Gap. Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 43/2017.
Gender Pension Gap. Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 5/2017.
Mahne, K., Wolff, J.K., Simonson, J. & Tesch-Römer; C. (Hrsg.)(2017) Altern im Wandel: Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS); Wiesbaden: Springer VS.

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